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Frauen machen (Kelkheimer) Geschichte
„Männer machen Geschichte" – mit diesem Satz Heinrich von Treitschkes und Thomas Carlyles Theorie vom „großen Mann" begann ein Spaziergang, der es anders sah.

Am 11. Oktober 2026, anlässlich des Handwerker- und Erntedankfestes, luden das Stadtarchiv und der Kelkheimer Museumsverein an den Rettershof. Eine halbe Stunde, zwei Stationen, mehrere Kapitel.
Wirth erklärte, dass er 26 Frauen ausgemacht hat, die in 1300 Jahren Kelkheimer Geschichte geschrieben haben – vom 7. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Fünf von ihnen, alle mit Bezug zum Rettershof, kamen zur Sprache:

Wirth legte dar, dass die Schwestern des heiligen Norbert im 12. Jahrhundert hier ein Kloster stifteten, in dem vor allem unverheiratete Töchter des niederen Adels der Region lebten.

Über Alice und Hedwig von Dieskau führte er aus, deren Vater bzw. Großvater im Baumwollhandel ein Vermögen gemacht hatte und seiner Tochter in den 1880er Jahren ein Tudorschloss in den Taunus stellte – samt Gästebuch, in dem sich König Edward VII. ebenso findet wie ein „Gefreiter Conradi".

Bei Sibylle von Hessen, „Königliche Hoheit", erzählte Wirth, wie sie 1898 in der Frankfurter Weißfrauenkirche morganatisch heiratete, während die Geschwister und Verwandten der Feier fernblieben.

Und bei Hertha von Richter-Rettershof legte er dar, wie diese dem Hofgut seine heutige Gestalt gab und mit einer Damenreitschule zahlende Gäste aus England, Schweden und Norwegen anzog.
Das Schlusswort gehörte einer Frau: „Das Scheiden macht viel Herzeleid / bescheinigt hiermit Adelheid." So notierte es Adelheid Rodewald 1888 im Gästebuch des Rettershofs.

Die Führung war gut besucht.

Erstmals wurde Julian Wirth beim Vortrag von seiner Frau Jule unterstützt, welche die relevanten Bildvorlagen präsentierte.
Wirth bedankt sich herzlichst bei all seinen Gästen und insbesondere bei Jürgen Moog für die Fotografien und die Veröffentlichung.
Julian Wirth
Sonntag, 11. Oktober 2026 13:15 Uhr