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Geschichtstour mit Stadtarchivar Julian Wirth beim TaunusSoul
Sonntag, 30. August 2026, 13:00 Uhr
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Im Rahmen von TaunusSoul, bei dem sich u.a. 45 Kunsthandwerker und Künstler aus der Region beteiligten, lud

Historiker und Archivar Julian Wirth

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 01

zu einer Geschichtstour

über Kelkheims starke Frauen ein.

Die Führung durch Hornau widmete sich den Frauen, die im Laufe der Jahrhunderte prägende Spuren hinterlassen haben.

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 1

Drei Kapitel strukturierten Wirths einstündige Führung an drei Stationen: von den frühesten Erwähnungen im 7. Jahrhundert bis zur modernen Kommunalpolitik.

Am Anfang war die Frau

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse im Kelkheimer Raum verweisen auf Frauen. Roteldis ist die namentlich erste bekannte Christin der Region, so Wirth.

Führung durch Fischbachs Geschichte mit Julian Wirth 07.06.2026 5

Ihr Grabstein befindet sich in der Seitenkapelle der Kirche und stammt aus der Merowingerzeit, noch vor Bonifatius, aus dem 7. Jahrhundert. Die Inschrift lautet: „In hunc tetolo requiescit bene memoria roteldis rodoberto qui vixit in pace annus XXV." Die Übersetzung besagt: „In diesem Grab ruht die dem Robertus in gutem Andenken gebliebene Roteldis, die in Frieden 25 Jahre lebte." Das lateinische Deutsch ist fehlerhaft, dennoch stellt der Stein ein Zeugnis von überregionaler Bedeutung dar. Rodebertus, vermutlich der erste Christ dieser Gegend, hat seine Tochter zu Grabe getragen, vermutet Wirth.

Knapp ein Jahrhundert später, im Jahr 780 nach Christus, taucht Ymmina in den Urkunden auf. Münster und Fischbach gelten als die ältesten Orte. Ymmina, beschrieben als „ancilla Christi", schenkt Gott und dem heiligen Bonifatius ihre Güter zu Fischbach, Kriftel, Sindlingen und Liederbach mit allem Zubehör und vielen Leibeigenen. Dies verdeutlicht, dass Besitz damals nicht nur Land umfasste, sondern auch Menschen.

Führung Christa Wittekind Frau Rotlint 01.05.2022 2

Führung von Christa Wittekind als Frau Rotlint in Hornau auf dem Gagernplatz

874 nach Christi Geburt erwähnt eine Schenkung Rotlint, die einen Teil ihres Eigentums zu Hornowa der königlichen Kapelle in Frankfurt übertrug. Ludwig der Deutsche, König Ostfrankens und Enkel Karls des Großen, war Zeuge dieser Transaktion. Die Schenkung umfasste 240 Morgen Land. Auch Leibeigene wie Reginbald, Wicbald, Seginhild und Ottrud gehörten dazu – die ersten namentlich bekannten Hornauer. Die Gegenleistung bestand jährlich aus 40 Scheffel Dinkelweizen und Hafer, 4 Karren Wein sowie einem Pfund Silber, Frischlingen und viel Holz. Durch diesen "Deal" wurde Hornau erstmals schriftlich erwähnt, erklärte Wirth seinen Gästen.

Die Herrinnen von Hornau

Sophie von Coudenhoven ist vor allem durch das Alte Rathaus Münster bekannt.

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 2

Als deutsche Adlige und letzte Besitzerin des Alten Rathauses bis 1812 war sie eine Vertraute des Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal, ihres Großcousins. Über ihre Beziehung zu Erthal kann nur spekuliert werden: Ratgeberin, graue Eminenz oder Geliebte. Am Hof gehörte sie zu einem Kreis von Frauen, die man „femmes électorales à Mayence" nannte. Diese übten teils erheblichen Einfluss auf Entscheidungen aus. Sophie galt als die bedeutendste Figur dieser Gruppe. Man bezeichnete sie auch als die Aspasia des Mainzer Hofes. Goethe nannte sie eine „schöne geistreiche Dame" und soll ihr im Scherz einen Antrag gemacht haben.

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 3

Charlotte von Gagern, geboren als Caroline Freiin von Gaugreben, gebar 10 Kinder – sieben Söhne und drei Töchter. Sie beherrschte Deutsch, Englisch und Französisch fließend, Musik ebenfalls. Die Normen der Zeit wurden in gewisser Weise strenger. Gemäß der bürgerlichen Charakterdefinition galt die Frau als passiv, emotional, duldend, der Mann als aktiv, rational. In 16 Jahren war sie zehnmal schwanger. Seit 1992 trägt ein Weg in Kelkheim zu ihrem Ehren ihren Namen. Sehr zu Recht, betonte Wirth!

Starke Frauen in der Politik

Zwölf Stadtverordnetenvorsteher gab es bisher in Kelkheim. Drei davon waren Frauen.

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Elisabeth Katzer war die fünfte Stadtverordnetenvorsteherin, von November 1961 bis Dezember 1962. Geboren am 9. März 1920 in Leipzig wurde sie im Oktober 1960 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und Mitglied des Ausschusses für Schule, Kultur und Sport. Nach dem Tod des Vorgängers wurde sie aufgrund eines interfraktionellen Vorschlags einstimmig gewählt. 1962 legte sie ihr Mandat aus privaten Gründen nieder. Sie war die erste Frau als erste Bürgerin der Stadt. Durchaus progressiv, wie Wirth und sein Publikum feststellten.

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 4

Elisabeth Katzer                                      Alwine Bock                                       Julia Ostrowick

Alwine Bock war die siebte Stadtverordnetenvorsteherin von April 1981 bis März 1989. Sie arbeitete von 1960 bis 1968 als Leiterin an wissenschaftlichen Bibliotheken. Von 1972 bis 1976 war sie Standesbeamtin der Gemeinde Fischbach, von 1973 bis 1977 stellvertretende CDU-Vorsitzende. 1977 wurde sie für die CDU in die Stadtverordnetenversammlung gewählt und übernahm den Vorsitz des Ausschusses für Kultur und Fremdenverkehr. Unter ihrer Leitung lieferten sich u.a. junge Stadtverordnete der UKW mit Bürgermeister Dr. Winfried Stephan kontroverse Debatten. 1989 erhielt sie den Ehrenring der Stadt, 2013 das Bundesverdienstkreuz. Ab 2003 führte sie den Hospiz-Verein.

Julia Ostrowicki ist seit 2021 Stadtverordnetenvorsteherin und wurde jüngst wiedergewählt. Ihre Würde als „Kelkheimer Parlamentspräsidentin" wird besonders im Kontext der 175-Jahr-Feier der Nationalversammlung deutlich. Gemeinsam mit der damaligen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas sprach sie anlässlich des Kelkheimer Festakts.

Führung Starke Frauen beim TaunusSoul 30.08.2026 5

Christa Wittekind führt seit mehr als zwei Jahrzehnten historische Führungen mit mittlerweile einigen tausend Teilnehmern. Sie schlüpfte in Kleider und Kluften, die sie selbst nähte, in die Rollen jener Frauen, die sie verkörpern wollte. Sie entwickelte zudem die Idee der Hornauer Gagernanlage, die ursprünglich bebaut werden sollte.

Hier endete die Führung mit den "Hornauer starken Frauen". Das Publikum applaudierte, Wirth bedankte sich ganz herzlich!

Julian Wirth

 

Sonntag, 30. August 2026 13:00 Uhr
Ort Kelkheim-Hornau, rund ums Gagernhaus