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Von der Lungenheilstätte zum Zauberberg

Eine Führung mit Marianne Bopp
Am Sonntag, den 22. März 2026, luden der Museumsverein Kelkheim und das Kulturreferat der Stadt zu einer Führung am Zauberberg ein. Anlass war der Welttuberkulosetag, der jährlich am 24. März begangen wird, dem Tag, an dem im Jahr 1882 Robert Koch seine Entdeckung des Tuberkuloseerregers vorstellte. Nach ihm ist die wichtigste Straße in Ruppertshain benannt, an der sich auch die erste Volkslungenheilstätte Deutschlands befindet – heute Zauberberg genannt, nach Thomas Manns Roman, der an einem Lungensanatorium spielt.

Über hundert Personen konnte Gästeführerin Marianne Bopp trotz des kalten Wetters zu einem Rundgang um das historische Gebäude begrüßen. Nach ein paar Basisdaten zu Kelkheims Stadtteil Ruppertshain folgte ein Blick auf die Geschichte des Gebäudeensembles: 1895 wurde die erste Volkslungenheilstätte Deutschlands in Ruppertshain eröffnet. Sie galt 1900 auf der Weltausstellung in Paris als die damals modernste Klinik gegen die Volkskrankheit Tuberkulose. Bis zum Jahr 1982 wurden hier Lungenkranke behandelt. Nach Leerstand wurde es 1988 verkauft. Deutsche Aussiedler, zum Beispiel aus Russland, wurden hier untergebracht. Danach wurde der Zauberberg umgebaut. Das Ziel war Leben, Wohnen, Arbeiten und Freizeit unter einem Dach anzubieten. Heute gibt es das Restaurant Merlin und den Felsenkeller, außerdem u.a. Arztpraxen, Büros, viele Wohnungen und einige Künstler mit ihren Ateliers.

Bopp verwies dazu auf die Skulpturen des Bildhauers Axel Tänzer, die immer Nase und Mund betonen und so die Atmung der Lungenkranken thematisieren. Dazu gab es Informationen zur Tuberkulose und zum Nobelpreisträger Robert Koch. Auf der Terrasse hatten die Gäste einen guten Blick auf die äußere Architektur des ersten Gebäudes, aber auch die innere Aufteilung wurde erläutert. Bei allem hatte der Architekt die Bedürfnisse der Kranken im Blick – viel frische Luft, viel Sonnenlicht, wenig Staub.

Der Männerbau von 1895 von 1900 steht unter Denkmalschutz.

Auch der sich im Osten anschließende Frauenbau von 1900 steht unter Denkmalschutz.
Die Namen aber können leicht in die Irre führen: bereits das erste Gebäude war nämlich zu gleichen Teilen für Männer und Frauen ausgelegt. Aus Platzmangel wurde 1900 das zweite Gebäude errichtet, für weibliche Kranke, und das ursprüngliche Gebäude erst seitdem nur für männliche Patienten genutzt. An der Treppe zum Rothschildsaal stellte Bopp die Schirmherrin der Heilstätte Kaiserin Friedrich und die Hauptmäzenin Hanna Mathilde von Rothschild vor, die der Frankfurter Reconvalescentenverein für seine Heilstätte gewinnen konnte. Vor dem Atelier von Dimitri Vojnov beklagte man den Tod des Künstlers wenige Tage zuvor. Am Frauenbau interessierte wieder die Architektur, äußerlich etwas einfacher als beim ersten Gebäude. Verbessert wurde dort vor allem die Lage der Küche und der Speisesäle. Die Zuhörerinnen und Zuhörer schmunzelten über den Speiseplan, der mittags und abends durchaus Bier und Wein vorsah, und bei Nachtschweiß abends ein Glas Milch mit Zusatz von einigen Teelöffeln – nein, nicht Honig, sondern Kornbranntwein. Auf der Nordseite ging es um die weiteren Ergänzungen der Gebäude, auch auf der anderen Seite der Robert-Koch-Straße, und um den Nobelpreisträger Gerhard Domagk, dessen Forschungen die Behandlung der Tuberkulose weiter voranbrachten. Bis zur Schließung trug die Klinik lange Jahre seinen Namen.

Mit einem Verweis auf das heutige Motto „Leben, Wohnen, Arbeiten und Freizeit“ unter einem Dach dankte Marianne Bopp den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fürs Mitgehen und hielt sie dazu an, vor dem Heimgehen noch einmal den Blick über das vor ihnen ausgebreitete Rhein-Main-Gebiet zu genießen.
Text: Marianne Bopp
Fotos: Petra Krause und Jürgen Moog
Sonntag, 22. März 2026 16:00 Uhr




