Zurückliegende Veranstaltungen
Kuriositäten und Kostbarkeiten aus Kelkheimer Privatsammlungen
Rückblick auf die Sonderausstellung im Museum Kelkheim
vom 27.10. bis 26.11.2017
Wir dürfen zurückschauen auf eine wirklich besondere Ausstellung. Zum zweiten Mal nach 2014 (zum Internationalen Museumstag) hat das Museumsteam Kelkheimer Bürgerinnen und Bürger gebeten, ausgewählte Teile ihrer sehr beeindruckenden Sammlungen vorzustellen. Wir haben uns damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt, nämlich eine Bühne zu öffnen für normalerweise verborgene „Schätze“.
Marianne Baumann aus Kelkheim-Münster stellte dieses Mal eine Auswahl ihrer historischen Bildpostkarten zur Verfügung. Diese wertvolle Sammlung spiegelt die Liebe zu ihrer Heimatstadt: Ansichtspostkarten aus allen Stadtteilen von Kelkheim.
Sie besitzt inzwischen über 1800 verschiedene Motive. Erwerben konnte sie sie auf verschiedenen Postkartenbörsen, z.B. hier in der Nähe in der Jahrhunderthalle. Aber auch bis nach Köln, Stuttgart und München führte sie die Suche nach seltenen Exemplaren. Wenn es eben ging, war sie an den Wochenenden dafür unterwegs. Von Beginn an hat sie das Museum Kelkheim mit Leihgaben aus ihrer Sammlung unterstützt. In der Dauerausstellung veranschaulichten sie Kelkheim, wie es früher war.
Die Postkarten regten an, mit den Augen durch die Orte zu spazieren. Vieles hat sich verändert, manches ging verloren. Hier konnte man es wieder neu entdecken.
Der Ausstellungsteil mit 4 ausgewählten Puppenstuben von Evi Scheiber wurde überschrieben mit „Ein großes Herz für kleine Welten“. Frau Scheiber hat ihre umfangreiche Sammlung seit ca. 30 Jahren vorrangig auf Antikmärkten zusammengetragen. Inspiriert von einer Freundin liegt ein Schwerpunkt der Sammlung auf den hier ausgestellten Biedermeier-Puppenstuben, aber auch andere Epochen wie Jugendstil sind vertreten.
Meistens kauft Frau Scheiber die leeren Gehäuse und richtet diese dann Stück für Stück liebevoll und detailgenau ein. Das Geld hierfür hat sie von Anfang an mit ihrer Malerei verdient. Immer wenn sie eines ihrer wunderschönen Aquarelle verkauft hat, wurde dieses ,Malgeld“ zur Anschaffung neuer Puppenstuben genutzt.
Mit ,,Biedermeier“ bezeichnet man die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848 in den Ländern des Deutschen Bundes. Diese Zeit ist geprägt von der Rückwendung zur Innerlichkeit, zum gemütlichen und trauten Heim, bedingt durch eine Sehnsucht nach einem Idyll, nach einer sicheren Heimat. In den bürgerlichen Familien wurde viel musiziert und vorgelesen, Kleidermode und Literatur waren ,,konservativ“ bis ,,hausbacken“. Die Wohnungseinrichtungen aus dieser Zeit werden heute allgemein als sehr hochwertig angesehen.
Sigrid Stieler ist die Enkelin von Peter Enders und lebt als gebürtige Frankfurterin seit 2016 in Fischbach. Damit wohnt sie jetzt in dem Ort, in dem ihr Großvater als Holzbildhauer viele Jahre wirkte. In ihrer Kindheit hat sie den Großvater häufig in seiner Werkstatt besucht, was damals per Zug, Bus und zu Fuß eine ,,kleine Weltreise“ war.
Frau Stieler hat sich zur Aufgabe gemacht, Leben und Werk des von ihr verehrten Großvaters in Erinnerung zu behalten und zu bewahren. Einige der hier ausgestellten Holzkunstwerke begleiten Frau Stieler als ,,Gebrauchsgegenstand“ im Alltag.
Peter Enders, 1888 in Steinfurt geboren, zog 1914 nach dem Studium an der Kunsthochschule Frankfurt und praktischer Ausbildung mit seiner Frau Emma nach Fischbach und eröffnete dort seine eigene Werkstatt. Er war ein Holzkünstler der ,,alten Schule“. Erst nachdem eine Skizze und eventuell ein Gipsabdruck gemacht und das passende Holzstück ausgesucht war, wurde das gewünschte Objekt aus EINEM Stück Holz herausgearbeitet und eventuell verziert. In seiner Werkstatt arbeitete er eng mit Schreinern aus Kelkheim und Umgebung zusammen.
Peter Enders wird als nachdenklicher, menschlicher, politisch interessierter und philosophischer Mensch beschrieben. 1968 kam er bei einem tragischen Unfall (er wurde von einem Motorrad erfasst, der Fahrer beging Fahrerflucht) ums Leben.
Jutta Schulze-Eckardt ist es gelungen, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Ihre Wohnung ist geschmückt mit Antiquitäten aus Fernost und Malstudien im chinesischen Stil, Ausdruck ihrer Begeisterung für asiatische Kulturen, besonders China und für das indonesisch-malayische Archipel.
6 Jahre lebte sie in Singapur, 2 Jahre in Djakarta (Indonesien), während ihr Mann als Repräsentant von Hapag-Lloyd besonders die Geschäftsbeziehungen. Frau Schulze-Eckardt besuchte vor allem Antiquitätenhändler oder andere exotische Geschäfte. So kam sie in Kontakt mit außergewöhnlichen Objekten, von denen einige hier ausgestellt werden können.
Neben diesen wunderbaren Gegenständen waren es die Gespräche mit den Menschen dort, die Frau Schulze-Eckardt besonders faszinierten und ihr Leben bereicherten. Unter den kostbaren Exponaten befand sich neben Lackarbeiten, einem Bronzetablett aus dem 15. Jahrhundert, Tonwaren und bezaubernden Schränkchen auch eine Opiumliege und Opiumgewichte. Letztere gaben Anlass, über die Zeit der Opiumkriege und die imperialistische Expansion der Großmächte in Ostasien nachzudenken.
Zu den Leihgebern zählte auch Hans Grimm, ein begeisterter Sammler von Zinnfiguren, der sich außerdem intensiv mit seiner Familiengeschichte beschäftigt. Zugleich ist er ein interessierter Bewunderer der Familie von Gagern. Alle drei Interessensgebiete spiegelten sich in der Ausstellung.
Aus seiner umfangreichen Sammlung stammten eine Reihe von Zinnfiguren in einer Tischvitrine. Dargestellt waren Abteilungen des Kaiserlichen Husaren-Regiments „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches). In diesem Regiment hat der Großvater von Hans Grimm, Adam Löw, zur Zeit des Kaiserreiches gedient.
Einige Postkarten aus der Kaiserzeit illustrieren die Bedeutung des Militärs in jener Epoche. Der Husar Adam Löw war von 1884 bis 1887 als Rekrut in Bockenheim stationiert. Nach seiner Dienstzeit war er Landwirt in Hornau.
Die Großväter von Adam Löw waren beide Schultheißen in Hornau. Es wurden Dokumente gezeigt, auf denen ihre Unterschriften zusammen mit der von Hans Christoph von Gagern zu finden sind.
Peter Rosenthal hat seine Sammlung von weit über hundert Spieldosen seit 1978 zusammengetragen. In seiner Kindheit konnten und wollten die Eltern kein Geld für Spielsachen aufwenden. Deshalb wurde beim Besuch von Flohmärkten sein Interesse für Spielzeug aller Art, besonders aber für Spieldosen, geweckt. Die umfangreiche Sammlung umfasst sowohl einfache Plastikobjekte als auch handwerklich aufwändige und sehr hochwertige Exponate.
Mit ,,Spieldose“ bezeichnet man ein mechanisches, selbstspielendes Instrument in Form einer Dose oder eines Kastens. Dieses spielt, wenn es aufgezogen wird, eine oder mehrere Melodien. Umgangssprachlich bezeichnet man Spieldosen häufig als ,,Spieluhren“. Im Unterschied zur Spieldose ist die Spieluhr aber eine mit einem Spielwerk ausgestattete Uhr, die die Zeit durch das Spielen einer kleinen Melodie auch akustisch anzeigt.
Klaus Weiß und seine Familie sind international und regional hoch geschätzte „Fossilienjäger“, die sich durch über Jahrzehnte geleistete harte Arbeit ein großartiges Renommee erworben haben. Sein Spürsinn ist legendär: Vor einigen Wochen hat er wieder für eine Sensation gesorgt, als er die Versteinerung eines Flügels eines Vorfahren der Vögel aus dem Altmühltal mit nach Kelkheim brachte.
Seit seiner frühen Kindheit hat sich der gelernte Maschinenschlosser für Fossilien begeistert. Als Autodidakt hat er mit seinen Erfolgen die Fachwelt in Bewunderung versetzt und viele Ehrungen, z.B. das Bundesverdienstkreuz, erhalten. Ein kleiner Teil seiner Funde kann in seinem Museum in Fischbach gezeigt werden. Alle anderen stellt er kostenlos Museen und Universitätsinstituten zur Verfügung.
Klaus-Dieter Weiß ist Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft „Paläo-Geo“ (Gründung 2004). Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Vermächtnis des Planeten Erde zu bewahren und die paläontologische Wissenschaft zu unterstützen. Die herausragenden Leistungen von Klaus-Dieter Weiß und seiner Familie können nicht hoch genug geschätzt werden.
Das Museum Kelkheim durfte eine größere Anzahl von Funden ausstellen, die Klaus Weiß in der Grube Messel fand, danach präparierte und in seinem Privatmuseum zeigte.
Fazit: Nach der Eröffnung durch Herrn Bürgermeister Kündiger konnten fast 400 Besucher durch die Sonderausstellung schlendern. Sehr gut besucht waren die drei Sonderführungen, besonders die Finissage, bei der sich Leihgeber, Besucher und Kuratoren bei einem Glas Wein oder Wasser über die Erfahrungen während der vergangenen Wochen unterhalten konnten. Die Sonderausstellung wurde von allen hoch gelobt, was u.a. auch der Arbeit unserer Fachfrau für Museumsdesign, Frau Susanne Michelsky, zu verdanken war.
Der Museumsverein ist allen Unterstützern und vor allem den Leihgebern sehr dankbar. Wir sind sicher, dass dieses Konzept einer Verbindung von Museum und den Einwohnern der Stadt unbedingt empfehlenswert ist und weiterentwickelt werden sollte.
Text: Rüdiger Kraatz mit Beiträgen der Kuratoren Andrea Hillebrecht-Schulte und Marianne Bopp
Fotos: Jürgen Moog
Sonntag, 26. November 2017 16:30 Uhr