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SUMMARY:Der Zauberberg – Führungen an den Tagen der Industriekultur (Artikel von Marianne Bopp)
LOCATION:Zauberberg\, Kelkheim-Ruppertshain
DESCRIPTION:<p style="text-align: center;"><span style="color: #ff0000; font-size: 36pt
 ;"><strong>Der Zauberberg</strong></span></p><p style="text-align: center;"
 ><span style="color: #ff0000; font-size: 18pt;"><strong>Von der ersten Volk
 s-Lungenheilstätte Deutschlands </strong></span></p><p style="text-align: c
 enter;"><span style="color: #ff0000; font-size: 18pt;"><strong>zum Kulturze
 ntrum mit Flair</strong></span></p><p style="text-align: center;"><span sty
 le="font-size: 14pt;"><strong>Führungen im Rahmen der Tage der Industriekul
 tur Frankfurt RheinMain und&nbsp;</strong><strong>Besichtigung der Klangkun
 st-Installationen des Kulturfonds Frankfurt RheinMain</strong></span></p><p
  style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>25., 26
 ., 27. und 28. August 2021</strong></span></p><p><span style="font-size: 10
 pt;">Seit 2010 nimmt das Museum Kelkheim an den Tagen der Industriekultur t
 eil, immer zum Fokusthema – in diesem Jahr: Vernetzung.</span></p><p><span 
 style="font-size: 10pt;">Da lag es nahe, den Zauberberg in Ruppertshain zu 
 wählen. Als erste Volks-Lungenheilstätte für Arbeiterinnen und Arbeiter geh
 ört er zur Route der Industriekultur. Schon für die Entstehung war es nötig
 , dass sich der Rekonvaleszenten-Verein in Frankfurt vernetzte für die nöti
 ge ärztliche Beratung, finanzielle Unterstützung und Bauplanung. Und auch h
 eute vernetzt der denkmalgeschützte „Zauberberg“ mit seinem pulsierenden ku
 lturellen Leben Musiker, Literaten, Maler und Bildhauer.</span></p><p><span
  style="font-size: 10pt;">Das Interesse war so groß, dass statt der zwei ge
 planten vier Termine mit insgesamt mehr als 100 Gästen angeboten wurden.</s
 pan></p><p><span style="font-size: 10pt;"><img src="images/FührungZauberber
 gLiegekurMBoppLetzel082021_1.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel
 082021 1" width="560" height="373" /></span></p><p><em>V.l.&nbsp;Stadtrat T
 homas Weck (CCZ Creativ Concept Zauberberg), Bürgermeister Albrecht Kündige
 r und die Künstlerin Lea Letzel bei der Begrüßung</em></p><p><span style="f
 ont-size: 10pt;">Die Führungen teilten sich Marianne Bopp, Museumspädagogin
  im Museum Kelkheim, und die Kölner Künstlerin Lea Letzel. Im ersten Abschn
 itt ging es um die Geschichte des Zauberbergs, im zweiten stellte die Künst
 lerin ihre Klangkunst-Skulpturen vor, zwei Liegen, die auch gleich von den 
 Gästen ausprobiert werden konnten.</span></p><p><img src="images/FührungZau
 berbergLiegekurMBoppLetzel082021_2.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBopp
 Letzel082021 2" width="560" height="373" /></p><p><span style="font-size: 1
 0pt;">Marianne Bopp erläuterte die Gründe und Voraussetzungen für den Bau d
 er Heilstätte für „unbemittelte“ Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Jahr 18
 95 in Ruppertshain eröffnet werden konnte. Damals gab es 72 Plätze für an T
 uberkulose Erkrankte. Alles war streng, aber schon gleichberechtigt nach Ge
 schlechtern getrennt.</span></p><p><img src="images/SonderführungAnsichtska
 rtenausstellung01.03.2020_7.JPG" alt="SonderführungAnsichtskartenausstellun
 g01.03.2020 7" width="560" height="363" /></p><p><span style="font-size: 10
 pt;">So gab es eigene Treppenhäuser, Speisesäle und Liegehallen für jeweils
  36 Männer und 36 Frauen. Die Behandlung bestand damals vor allem aus guter
  Luft, viel Ruhe und gutem, fettreichen Essen. Besonders wichtig war dabei 
 die Liegekur, übernommen vom ärztlichen Berater Dr. Peter Dettweiler vom Sa
 natorium in Falkenstein: Über Stunden lagen die Erkrankten vormittags, nach
 mittags und bis in den Abend hinein in den offenen Liegehallen. Die besonde
 re Architektur des imposanten Gebäudes war ein weiterer Aspekt der Führung.
 </span></p><p><img src="images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_3
 .JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 3" width="560" height
 ="156" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">Wenig bekannt ist heute, wie
  wichtig damals die Dachkämme waren - hier stilisierte Liliensträuße -, die
  sich gut sichtbar gegen den Himmel abheben sollten. Noch heute ziehen sie 
 sich über die Firste der Dachlandschaft, die schon von Weitem mit ihren bun
 ten Bändern und Zick-Zack-Linien in den Bann zieht.</span></p><p><span styl
 e="font-size: 10pt;">Im Jahr 1900 wurde die Volks-Lungenheilstätte Rupperts
 hain auf der Weltausstellung in Paris beispielgebend präsentiert, und schon
  bald orientierten sich an ihr auch die Vorschriften für den Heilstätten-Ba
 u.</span></p><p><img src="images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021
 _4.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 4" width="560" heig
 ht="280" /></p><p><em>Marianne Bopp zeigt den "Blauen Heinrich" (Taschenspu
 cknapf für Tuberkulosekranke) und die Davoser Liege, die in Ruppertshain er
 funden wurde.</em></p><p><span style="font-size: 10pt;">Immer wieder gab es
  Erweiterungen. Der Anspruch war, den Patienten die jeweils modernsten Beha
 ndlungsmethoden zu bieten. Das bedeutete z.B., dass ein Röntgengerät angesc
 hafft wurde und auch die Aufnahmen vor Ort entwickelt wurden. Weitere Spend
 en ermöglichten es, ein zweites Gebäude zu erstellen, den sogenannten Fraue
 nbau. In etwas einfacheren Formen gehalten, stimmt vor allem das Dach mit d
 em ersten Gebäude überein, das nun Männerbau genannt wurde. Da Küche und Sp
 eisesäle gleich mit neu gebaut wurden, konnten im Männerbau seitdem 100 Pat
 ienten unterkommen. Im Frauenbau gab es nur 34 Plätze, der Tatsache geschul
 det, dass Frauen weniger anfällig für Tuberkulose waren.</span></p><p><img 
 src="images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_5.JPG" alt="FührungZ
 auberbergLiegekurMBoppLetzel082021 5" width="560" height="280" /></p><p><sp
 an style="font-size: 10pt;">Beim Weg um den großen Gebäudekomplex machte Ma
 rianne Bopp auch immer wieder auf die Künstlerateliers aufmerksam und die z
 ahlreichen Skulpturen verschiedener Künstler, die das Gelände bereichern.</
 span></p><p><img src="images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_6.J
 PG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 6" width="560" height="
 280" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">Im Norden fiel der Blick auf d
 ie letzten Aufstockungen, die die Kapazität auf 250 Betten steigerten, und 
 auf das Betriebsgebäude von 1909, das zudem Schwitz- und Inhalationsräume e
 nthielt. Dabei ging es auch um die Fortschritte in der Tuberkulose-Behandlu
 ng. Die revolutionäre Nutzung der Sulfonamide für Medikamente durch Gerhard
  Domagk führte dazu, dass die Heilstätte lange Jahre nach diesem Nobelpreis
 träger benannt war. Die Entwicklung einer Art Chemotherapie mit mehreren An
 tibiotika war letztlich so erfolgreich, dass die Patientenzahlen deutlich z
 urückgingen.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Als Folge wurde di
 e Gerhard-Domagk-Klinik im Jahr 1982 geschlossen. Das Schicksal der Gebäude
  war ungewiss, selbst der Abriss drohte. Das konnte zum Glück verhindert we
 rden. Heute steht der Zustand von 1910 unter Denkmalschutz, dazu gehören au
 ch jenseits der Robert-Koch-Straße bzw. der Straße nach Eppenhain die Arztv
 illa, das Maschinenhaus, das Werkstattgebäude und das Ökonomiegebäude. Der 
 ganze Komplex genießt Ensembleschutz.</span></p><p><span style="font-size: 
 10pt;">Unter vielen Kaufinteressenten setzte sich eine Investorengruppe dur
 ch, die hier deutsche Spätaussiedler unterbrachte. In der Folge wurde der K
 omplex aufwändig renoviert, um hier Wohnungen, Ateliers, Praxen, Büros und 
 Gastronomie unterzubringen, dem Motto der Investoren gemäß, „Wohnen – Leben
  – Arbeiten – Freizeit“ an diesem Ort zu vereinen. In Abstimmung mit dem De
 nkmalschutz wurden dafür leichte Veränderungen vorgenommen. Z.B. wurden an 
 der Südseite des Männerbaus Balkone angefügt und die Gauben geändert.</span
 ></p><p><span style="font-size: 10pt;">1997 setzte sich der Name „Zauberber
 g“ für die Anlage durch, in Anlehnung an den Roman von Thomas Mann, der in 
 einem Schweizer Lungen-Sanatorium spielt. Dort erhielten die Patienten die 
 gleiche Behandlung wie die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Volksheilstätt
 e Ruppertshain.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Auf dem Weg zu 
 den Klanginstallationen genossen die Gäste noch den atemberaubenden Blick a
 uf die Frankfurter Skyline, hier aus einem ungewohnten Blickwinkel zu genie
 ßen und bei der letzten Führung in ein ganz besonderes Wechselspiel aus Son
 nenlicht und Wolkenschatten getaucht.</span></p><p><span style="font-size: 
 10pt;">Marianne Bopp dankte den Gästen für ihre Teilnahme und übergab die G
 ruppe nach Applaus an Lea Letzel.</span></p><p><span style="font-size: 10pt
 ;">Die Künstlerin führte zu den beiden Liegen auf der Wiese unterhalb des P
 arkplatzes.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Nachdem sie ihren W
 erdegang skizziert hatte, beschrieb sie ihre Faszination für den Zauberberg
  seit dem ersten Anblick bei der Fahrt von Fischbach hoch. Bei dieser Fahrt
  hatte ihr Dr. Julia Cloot vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain verschiedene
  Orte für das Klangkunstfestival angeboten. Die Wahl fiel nicht schwer.</sp
 an></p><p><span style="font-size: 10pt;">Es folgte die intensive Beschäftig
 ung mit der Liegekur bis zu den Davoser Liegen von Dr. Peter Dettweiler, au
 ch erwähnt im ersten Teil der Führung. Dabei ging es Lea Letzel um ein nied
 rigschwelliges Angebot.</span></p><p><img src="images/FührungZauberbergLieg
 ekurMBoppLetzel082021_7.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel08202
 1 7" width="560" height="280" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">So en
 twickelte sie zum einen die große wippende Liege. Statt Wasser, das bei bes
 timmten Therapie-Liegen durch deren Rohre geführt wurde, bewegen sich hier 
 Kugeln in den Kufen. Beim Wippen erzeugen sie einen kullernden Klang. Das w
 urde bei allen Führungsterminen von den Besuchern sofort und gerne ausprobi
 ert.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Bei der zweiten Konstrukti
 on ist eine gleichartige Liege als Schaukel in ein großes Gestell eingehäng
 t. Beide Enden der Liege enthalten Windharfen, eine Kombination von über di
 e gesamte Breite gespannten Gitarrensaiten und einem flachen Trichter, der 
 den Wind auf die Saiten führt. Nicht bei allen Terminen kam der Wind ausrei
 chend aus der erforderlichen Richtung, um die magisch klingenden Töne zu er
 zeugen. Es ist halt ein bisschen Geduld nötig, um auf den richtigen Wind zu
  warten. Schließlich forderte die Liegekur auch Zeit und Geduld.</span></p>
 <p><img src="images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_8.JPG" alt="
 FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 8" width="560" height="373" /></
 p><p><em>V.l.: Dr. Julia Cloot (stellv. Geschäftsführerin des Kulturfonds F
 rankfurt RheinMain), Museumspädagogin Marianne Bopp, Bürgermeister Albrecht
  Kündiger, Kultureferentin Dr. Beate Matuschek und Künstlerin Lea Letzel</e
 m></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Künstlerin stellte heraus, dass
  auch die schwefelgelbe Farbe Bezug nimmt auf die Liegekur: Sie verfremdet 
 das satte Gelb der Bambusgestelle der Davoser Liegen. Trotz des Namens wurd
 en sie in Falkenstein von Dr. Peter Dettweiler entwickelt.</span></p><p><sp
 an style="font-size: 10pt;">Beide Kunstwerke entsprechen außerdem den Siche
 rheitsbestimmungen. Sie sind von einem Spielplatzgutachter überprüft und ab
 genommen worden.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Immer wieder w
 urde die Frage gestellt, ob die Kunstwerke nicht über das geplante Ende am 
 29.08.2021 hinaus hier stehenbleiben könnten. Vielleicht gelingt es, dass K
 ulturfonds, Stadt und CCZ Zauberberg für die Beibehaltung zusammenwirken. D
 as würde auch die Künstlerin freuen.</span></p><p><span style="font-size: 1
 0pt;">So konnte jeweils der Nachmittag mit Schaukeln und Wippen ausklingen,
  vielleicht noch gefolgt von einem Stopp im Café Zauberberg, im Restaurant 
 Merlin oder an der Bar im Felsenkeller.</span></p><p><span style="font-size
 : 10pt;">Vorher gab es aber auch für Lea Letzel noch den verdienten Applaus
 .</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Text: Marianne Bopp</span></p
 ><p><span style="font-size: 10pt;">Fotos: Wolfgang Pfankuch und Jürgen Moog
 </span></p>
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html:<p style="text-align: center;"><span style="color: #ff0000; font-size: 36pt
 ;"><strong>Der Zauberberg</strong></span></p><p style="text-align: center;"
 ><span style="color: #ff0000; font-size: 18pt;"><strong>Von der ersten Volk
 s-Lungenheilstätte Deutschlands </strong></span></p><p style="text-align: c
 enter;"><span style="color: #ff0000; font-size: 18pt;"><strong>zum Kulturze
 ntrum mit Flair</strong></span></p><p style="text-align: center;"><span sty
 le="font-size: 14pt;"><strong>Führungen im Rahmen der Tage der Industriekul
 tur Frankfurt RheinMain und&nbsp;</strong><strong>Besichtigung der Klangkun
 st-Installationen des Kulturfonds Frankfurt RheinMain</strong></span></p><p
  style="text-align: center;"><span style="font-size: 14pt;"><strong>25., 26
 ., 27. und 28. August 2021</strong></span></p><p><span style="font-size: 10
 pt;">Seit 2010 nimmt das Museum Kelkheim an den Tagen der Industriekultur t
 eil, immer zum Fokusthema – in diesem Jahr: Vernetzung.</span></p><p><span 
 style="font-size: 10pt;">Da lag es nahe, den Zauberberg in Ruppertshain zu 
 wählen. Als erste Volks-Lungenheilstätte für Arbeiterinnen und Arbeiter geh
 ört er zur Route der Industriekultur. Schon für die Entstehung war es nötig
 , dass sich der Rekonvaleszenten-Verein in Frankfurt vernetzte für die nöti
 ge ärztliche Beratung, finanzielle Unterstützung und Bauplanung. Und auch h
 eute vernetzt der denkmalgeschützte „Zauberberg“ mit seinem pulsierenden ku
 lturellen Leben Musiker, Literaten, Maler und Bildhauer.</span></p><p><span
  style="font-size: 10pt;">Das Interesse war so groß, dass statt der zwei ge
 planten vier Termine mit insgesamt mehr als 100 Gästen angeboten wurden.</s
 pan></p><p><span style="font-size: 10pt;"><img src="https://museum-kelkheim
 .de/images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_1.JPG" alt="FührungZa
 uberbergLiegekurMBoppLetzel082021 1" width="560" height="373" /></span></p>
 <p><em>V.l.&nbsp;Stadtrat Thomas Weck (CCZ Creativ Concept Zauberberg), Bür
 germeister Albrecht Kündiger und die Künstlerin Lea Letzel bei der Begrüßun
 g</em></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Führungen teilten sich Mari
 anne Bopp, Museumspädagogin im Museum Kelkheim, und die Kölner Künstlerin L
 ea Letzel. Im ersten Abschnitt ging es um die Geschichte des Zauberbergs, i
 m zweiten stellte die Künstlerin ihre Klangkunst-Skulpturen vor, zwei Liege
 n, die auch gleich von den Gästen ausprobiert werden konnten.</span></p><p>
 <img src="https://museum-kelkheim.de/images/FührungZauberbergLiegekurMBoppL
 etzel082021_2.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 2" width
 ="560" height="373" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">Marianne Bopp e
 rläuterte die Gründe und Voraussetzungen für den Bau der Heilstätte für „un
 bemittelte“ Arbeiter und Arbeiterinnen, die im Jahr 1895 in Ruppertshain er
 öffnet werden konnte. Damals gab es 72 Plätze für an Tuberkulose Erkrankte.
  Alles war streng, aber schon gleichberechtigt nach Geschlechtern getrennt.
 </span></p><p><img src="https://museum-kelkheim.de/images/SonderführungAnsi
 chtskartenausstellung01.03.2020_7.JPG" alt="SonderführungAnsichtskartenauss
 tellung01.03.2020 7" width="560" height="363" /></p><p><span style="font-si
 ze: 10pt;">So gab es eigene Treppenhäuser, Speisesäle und Liegehallen für j
 eweils 36 Männer und 36 Frauen. Die Behandlung bestand damals vor allem aus
  guter Luft, viel Ruhe und gutem, fettreichen Essen. Besonders wichtig war 
 dabei die Liegekur, übernommen vom ärztlichen Berater Dr. Peter Dettweiler 
 vom Sanatorium in Falkenstein: Über Stunden lagen die Erkrankten vormittags
 , nachmittags und bis in den Abend hinein in den offenen Liegehallen. Die b
 esondere Architektur des imposanten Gebäudes war ein weiterer Aspekt der Fü
 hrung.</span></p><p><img src="https://museum-kelkheim.de/images/FührungZaub
 erbergLiegekurMBoppLetzel082021_3.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppL
 etzel082021 3" width="560" height="156" /></p><p><span style="font-size: 10
 pt;">Wenig bekannt ist heute, wie wichtig damals die Dachkämme waren - hier
  stilisierte Liliensträuße -, die sich gut sichtbar gegen den Himmel abhebe
 n sollten. Noch heute ziehen sie sich über die Firste der Dachlandschaft, d
 ie schon von Weitem mit ihren bunten Bändern und Zick-Zack-Linien in den Ba
 nn zieht.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Im Jahr 1900 wurde di
 e Volks-Lungenheilstätte Ruppertshain auf der Weltausstellung in Paris beis
 pielgebend präsentiert, und schon bald orientierten sich an ihr auch die Vo
 rschriften für den Heilstätten-Bau.</span></p><p><img src="https://museum-k
 elkheim.de/images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_4.JPG" alt="Fü
 hrungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 4" width="560" height="280" /></p>
 <p><em>Marianne Bopp zeigt den "Blauen Heinrich" (Taschenspucknapf für Tube
 rkulosekranke) und die Davoser Liege, die in Ruppertshain erfunden wurde.</
 em></p><p><span style="font-size: 10pt;">Immer wieder gab es Erweiterungen.
  Der Anspruch war, den Patienten die jeweils modernsten Behandlungsmethoden
  zu bieten. Das bedeutete z.B., dass ein Röntgengerät angeschafft wurde und
  auch die Aufnahmen vor Ort entwickelt wurden. Weitere Spenden ermöglichten
  es, ein zweites Gebäude zu erstellen, den sogenannten Frauenbau. In etwas 
 einfacheren Formen gehalten, stimmt vor allem das Dach mit dem ersten Gebäu
 de überein, das nun Männerbau genannt wurde. Da Küche und Speisesäle gleich
  mit neu gebaut wurden, konnten im Männerbau seitdem 100 Patienten unterkom
 men. Im Frauenbau gab es nur 34 Plätze, der Tatsache geschuldet, dass Fraue
 n weniger anfällig für Tuberkulose waren.</span></p><p><img src="https://mu
 seum-kelkheim.de/images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_5.JPG" a
 lt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 5" width="560" height="280" 
 /></p><p><span style="font-size: 10pt;">Beim Weg um den großen Gebäudekompl
 ex machte Marianne Bopp auch immer wieder auf die Künstlerateliers aufmerks
 am und die zahlreichen Skulpturen verschiedener Künstler, die das Gelände b
 ereichern.</span></p><p><img src="https://museum-kelkheim.de/images/Führung
 ZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021_6.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMB
 oppLetzel082021 6" width="560" height="280" /></p><p><span style="font-size
 : 10pt;">Im Norden fiel der Blick auf die letzten Aufstockungen, die die Ka
 pazität auf 250 Betten steigerten, und auf das Betriebsgebäude von 1909, da
 s zudem Schwitz- und Inhalationsräume enthielt. Dabei ging es auch um die F
 ortschritte in der Tuberkulose-Behandlung. Die revolutionäre Nutzung der Su
 lfonamide für Medikamente durch Gerhard Domagk führte dazu, dass die Heilst
 ätte lange Jahre nach diesem Nobelpreisträger benannt war. Die Entwicklung 
 einer Art Chemotherapie mit mehreren Antibiotika war letztlich so erfolgrei
 ch, dass die Patientenzahlen deutlich zurückgingen.</span></p><p><span styl
 e="font-size: 10pt;">Als Folge wurde die Gerhard-Domagk-Klinik im Jahr 1982
  geschlossen. Das Schicksal der Gebäude war ungewiss, selbst der Abriss dro
 hte. Das konnte zum Glück verhindert werden. Heute steht der Zustand von 19
 10 unter Denkmalschutz, dazu gehören auch jenseits der Robert-Koch-Straße b
 zw. der Straße nach Eppenhain die Arztvilla, das Maschinenhaus, das Werksta
 ttgebäude und das Ökonomiegebäude. Der ganze Komplex genießt Ensembleschutz
 .</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Unter vielen Kaufinteressente
 n setzte sich eine Investorengruppe durch, die hier deutsche Spätaussiedler
  unterbrachte. In der Folge wurde der Komplex aufwändig renoviert, um hier 
 Wohnungen, Ateliers, Praxen, Büros und Gastronomie unterzubringen, dem Mott
 o der Investoren gemäß, „Wohnen – Leben – Arbeiten – Freizeit“ an diesem Or
 t zu vereinen. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurden dafür leichte Ver
 änderungen vorgenommen. Z.B. wurden an der Südseite des Männerbaus Balkone 
 angefügt und die Gauben geändert.</span></p><p><span style="font-size: 10pt
 ;">1997 setzte sich der Name „Zauberberg“ für die Anlage durch, in Anlehnun
 g an den Roman von Thomas Mann, der in einem Schweizer Lungen-Sanatorium sp
 ielt. Dort erhielten die Patienten die gleiche Behandlung wie die Arbeiteri
 nnen und Arbeiter in der Volksheilstätte Ruppertshain.</span></p><p><span s
 tyle="font-size: 10pt;">Auf dem Weg zu den Klanginstallationen genossen die
  Gäste noch den atemberaubenden Blick auf die Frankfurter Skyline, hier aus
  einem ungewohnten Blickwinkel zu genießen und bei der letzten Führung in e
 in ganz besonderes Wechselspiel aus Sonnenlicht und Wolkenschatten getaucht
 .</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Marianne Bopp dankte den Gäst
 en für ihre Teilnahme und übergab die Gruppe nach Applaus an Lea Letzel.</s
 pan></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Künstlerin führte zu den beid
 en Liegen auf der Wiese unterhalb des Parkplatzes.</span></p><p><span style
 ="font-size: 10pt;">Nachdem sie ihren Werdegang skizziert hatte, beschrieb 
 sie ihre Faszination für den Zauberberg seit dem ersten Anblick bei der Fah
 rt von Fischbach hoch. Bei dieser Fahrt hatte ihr Dr. Julia Cloot vom Kultu
 rfonds Frankfurt RheinMain verschiedene Orte für das Klangkunstfestival ang
 eboten. Die Wahl fiel nicht schwer.</span></p><p><span style="font-size: 10
 pt;">Es folgte die intensive Beschäftigung mit der Liegekur bis zu den Davo
 ser Liegen von Dr. Peter Dettweiler, auch erwähnt im ersten Teil der Führun
 g. Dabei ging es Lea Letzel um ein niedrigschwelliges Angebot.</span></p><p
 ><img src="https://museum-kelkheim.de/images/FührungZauberbergLiegekurMBopp
 Letzel082021_7.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 7" widt
 h="560" height="280" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">So entwickelte
  sie zum einen die große wippende Liege. Statt Wasser, das bei bestimmten T
 herapie-Liegen durch deren Rohre geführt wurde, bewegen sich hier Kugeln in
  den Kufen. Beim Wippen erzeugen sie einen kullernden Klang. Das wurde bei 
 allen Führungsterminen von den Besuchern sofort und gerne ausprobiert.</spa
 n></p><p><span style="font-size: 10pt;">Bei der zweiten Konstruktion ist ei
 ne gleichartige Liege als Schaukel in ein großes Gestell eingehängt. Beide 
 Enden der Liege enthalten Windharfen, eine Kombination von über die gesamte
  Breite gespannten Gitarrensaiten und einem flachen Trichter, der den Wind 
 auf die Saiten führt. Nicht bei allen Terminen kam der Wind ausreichend aus
  der erforderlichen Richtung, um die magisch klingenden Töne zu erzeugen. E
 s ist halt ein bisschen Geduld nötig, um auf den richtigen Wind zu warten. 
 Schließlich forderte die Liegekur auch Zeit und Geduld.</span></p><p><img s
 rc="https://museum-kelkheim.de/images/FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel0
 82021_8.JPG" alt="FührungZauberbergLiegekurMBoppLetzel082021 8" width="560"
  height="373" /></p><p><em>V.l.: Dr. Julia Cloot (stellv. Geschäftsführerin
  des Kulturfonds Frankfurt RheinMain), Museumspädagogin Marianne Bopp, Bürg
 ermeister Albrecht Kündiger, Kultureferentin Dr. Beate Matuschek und Künstl
 erin Lea Letzel</em></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Künstlerin st
 ellte heraus, dass auch die schwefelgelbe Farbe Bezug nimmt auf die Liegeku
 r: Sie verfremdet das satte Gelb der Bambusgestelle der Davoser Liegen. Tro
 tz des Namens wurden sie in Falkenstein von Dr. Peter Dettweiler entwickelt
 .</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Beide Kunstwerke entsprechen 
 außerdem den Sicherheitsbestimmungen. Sie sind von einem Spielplatzgutachte
 r überprüft und abgenommen worden.</span></p><p><span style="font-size: 10p
 t;">Immer wieder wurde die Frage gestellt, ob die Kunstwerke nicht über das
  geplante Ende am 29.08.2021 hinaus hier stehenbleiben könnten. Vielleicht 
 gelingt es, dass Kulturfonds, Stadt und CCZ Zauberberg für die Beibehaltung
  zusammenwirken. Das würde auch die Künstlerin freuen.</span></p><p><span s
 tyle="font-size: 10pt;">So konnte jeweils der Nachmittag mit Schaukeln und 
 Wippen ausklingen, vielleicht noch gefolgt von einem Stopp im Café Zauberbe
 rg, im Restaurant Merlin oder an der Bar im Felsenkeller.</span></p><p><spa
 n style="font-size: 10pt;">Vorher gab es aber auch für Lea Letzel noch den 
 verdienten Applaus.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Text: Maria
 nne Bopp</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Fotos: Wolfgang Pfanku
 ch und Jürgen Moog</span></p>
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