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Ein Hauch von Toskana (Artikel von Christa Wittekind)
Sa, 24. Juni 2017, 15:00 Uhr
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HEILIGENFIGUREN AM RETTERSHOF

eine Führung mit der Kelkheimer Heimathistorikerin Christa Wittekind

am Samstag, 24. Juni 2017, 15:00 Uhr - Treffpunkt: Torbogen am Eingang zum Gutshof

Ein Hauch von Toscana am Rettershof!

"Mit dieser schönen Aussage begrüße ich Sie ganz herzlich am Eingang unserer Hofgutanlage.

Mit Recht werden Sie sich fragen, wo spürt man hier den Hauch der Toscana: keine Zypressen, keine Pinien, keine riesigen Mohn- oder Sonnenblumenfelder. Ja, aber nun folgen Sie mir bitte in den schön ausgestalteten Innenhof.

Zuerst werden Ihnen die Sprüche und Geweihe als Dekoration auffallen. Dieses entsprang der Dekorationsfreude der letzten Besitzer dieser Liegenschaft, bevor die Stadt Kelkheim zum 1.1.1980 Eigentümer dieser 110 Hektar umfassenden Anlage wurde.

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Seit 1924 besaßen Felix von Richter und seine Frau Hertha, geb. vom Rath den Rettershof. Sie kauften ihn von Sybille von Hessen und deren Mann Frh. von Vincke, die 20 Jahre zuvor diese Liegenschaft, inclusive der 1884 erbauten Villa, Alice und Oskar von Dieskau abkauften.

Der Eine oder Andere von Ihnen weiß auch, daß der Ursprung der Gesamtanlage ein 1146 gegründetes Prämonstratenserinnenkloster ist, das 1559 also in Folge der Reformation aufgelöst wurde.

Und nun kommen wir "dem Hauch der Toscana" etwas näher. 1559 ist Zeit der Spätrenaissance, auch eine Zeit von hoher Blüte in der Darstellung von Kunstwerken im kirchlichen Raum und das stelle man sich vor zu Zeiten reformatorischer Umwälzungen. Große Künstler der Renaissance sind: Michel Angelo, Raffael, Leonardo da Vinci, Dürer, Riemenschneider - um nur einige zu nennen. Und in diese Künstlergalerie gehört die florentinische Bildhauerfamilie della Robbia.

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Zwei Künstlern dieser Familie zuzuordnen sind die kleinen Marienreliefs, die hier auf dem Rettershof als Replikate hängen. Sie fallen sofort ins Auge durch  die schöne in blau und weiß gehaltene Glasur. Es handelt sich um Terrakottaelemente (Majolika). Der Altvater der Familie, nämlich Luca della Robbia(1400-1481), bearbeitete z.T. noch Großmonumente in Marmor und Bronze. Sein Neffe Andrea (1435-1525), der die Werkstatt übernahm, fertigte ungeheuer viele Aufträge großer zusammensetzbarer Elemente, die z.T. weithin verschickt wurden.

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Eine Originalarbeit von Andrea della Robbia hängt im Frankfurter Liebieghaus, nämlich ein großer Altar mit Namen "Maria Himmelfahrt". Dieser Altar könnte der Anlass gewesen sein, für Familie von Richter-Rettershof in Ihrer Sammlerleidenschaft diese kleinen Replikate zu erwerben. Familie vom Rath, Eltern der Hertha von Richter, sowie deren Großeltern Meister (Meister, Lucius und Brüning, Gründer der Farbwerke in Höchst) gehörten zum wohlhabenden Frankfurter Bürgertum und dieses Bürgertum schenkte zur Eröffnung des Liebieghauses 1909 diesen Altar.

Man kann somit davon ausgehen, dass Hertha vom Rath schon als Kind diesen Altar kannte, da die Familie in Museumsnähe wohnte. Als es Ende des 19. und zu Beginn des 20.Jahrhunderts große Mode wurde, die Häuser des Historismus auch mit Dekorationen der jeweiligen Epoche auszuschmücken, kam die italienische Firma Cantagalli auf die Idee, Reproduktionen der Kunstwerke der della Robbia herzustellen. Dazu verlegten sie einen Katalog mit etwa 250 Werkstücken, der europaweit große Beachtung fand. Wenn sie sich die Darstellungen  nun genauestens betrachten, ob "Madonna im Lilienhag", die "Madonna der Architekten" oder die "Anbetung", fällt Ihnen gewiß die zärtliche Ausstrahlung Mariens auf, wie sie auch im Tondo "Maria mit Kind" aus der Florentiner Werkstatt des Benedetto Buglioni zu sehen ist.

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Dies ist Ausdruck der "Leichtigkeit des Seins" und obwohl weder Pinien noch Zypressen zu sehen sind, können wir am Rettershof sagen: Ja, wir haben hier einen Hauch von Toscana."

Christa Wittekind

 

 

 

Sa, 24. Juni 2017 15:00 Uhr
Ort Rettershof

Öffnungszeiten

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